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Wann sich genau der Mensch für Regenwürmern zu interessieren begann, bleibt schwer zu bestimmen. Wohl einer der ersten, der den Nutzen dieser Bodentiere erkannte, war der griechische Philosoph Aristoteles (384-322 v. Chr.). Er bezeichnete die Regenwürmer als „Eingeweide der Erde“. Von der Antike bis ins 18./19. Jahrhundert wurden Heilmittel aus Regenwürmern zubereitet. Eingesetzt wurden die Mittel z.B. bei Hals-, Augen-, Ohren-, Bauchschmerzen, Gicht, gegen Trunksucht und als wehenauslösendes Mittel bei der Geburtshilfe.
Die wissenschaftliche Erforschung der Regenwürmer begann 1826, als es dem Franzosen Savigny als erster gelang, Arten durch anatomische Untersuchungen zu unterscheiden. Die anatomische Forschungsweise, die bis dahin eine Domäne der Medizin war, hielt dadurch Einzug in die Biologie und trug so zur Bestimmung der Tierarten der Erde bei.
Mit seinem 1881 veröffentlichten Buch über „Die Bildung von Humus durch die Tätigkeit von Würmern, mit Beobachtungen ihrer Gewohnheiten“, das noch heute ein Standardwerk ist, erlaubte Charles Darwin einen umfassenden Einblick in die Regenwurmwelt. Er würdigte die Leistungen dieser Tiere mit dem Satz: „So wie wir wissen, haben von allen Lebewesen nur wenige so viel zur Entwicklung der Erde beigetragen, wie die Regenwürmer“.
Etwa zur gleichen Zeit untersuchte der Hamburger Michaelsen (1860-1937) die geographische Verbreitung der Regenwurmarten und dehnte durch seine Forschungen das Wissen auf exotische Formen aus.
Mit dem 20. Jahrhundert begann die intensive Erforschung des Regenwurms. Deutlichen Aufschwung erhielt auch die intensive Wurmhaltung in Nordamerika. Die Produktion von Angelködern ließ neue Wirtschaftzweige entstehen, während in Europa der Einsatz von Regenwürmern auf die nicht kommerzielle Umwandlung von organischen Stoffen zu Humuserde für den Garten beschränkt blieb.
Deutschlands Pioniere auf dem Gebiet der Kompostierung waren und sind der Benediktiner Pater Augustin Hessing (1897-1975) und der Wissenschaftler Otto Graff (geb.1917). Während Hessing sich mit Techniken und Systemen zur Kompostierung verschiedener organischer Abfälle beschäftigte, untersuchte Graff die einheimischen Regenwurmarten, insbesondere die Leistungen des Kompostwurms Eisenia foetida. In den USA untersucht der Wissenschaftler Clive Edwards seit Jahrzehnten die Biologie und Ökologie verschiedener Wurmarten sowie Wege zur effektiven Wurmkompostierung.
Umweltrelevante und politische Entwicklungen ließen in den letzten drei Jahrzehnten Wurmkompostierung an Bedeutung gewinnen. In den Ländern, Australien, Frankreich, Holland, Indien und den USA wird die Wurmkompostierung zum Zwecke der Verwertung organischen Abfalls erfolgreich betrieben.
Neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Techniken erhöhen zunehmend die Effektivität und die Konkurrenzfähigkeit dieses Verfahrens gegenüber konventionellen Methoden.
In Deutschland hat die Kompostierung durch Regenwürmer keine kommerzielle Bedeutung und ist zudem nicht sehr bekannt. Dabei böte sie Möglichkeiten einen großen Teil der jährlich anfallenden organischen Abfallmenge besser als herkömmliche Verfahren zu verwerten und dem natürlichen Kreislauf in höherwertiger Qualität zurückzuführen.
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Würmer - Geschichte und Gegenwart
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